Es ist Dienstagabend, die Schuhe stehen bereit, und dann schaust du noch kurz aufs Handgelenk. Erholung mangelhaft. Trainingsbereitschaft niedrig.
Also bleibst du daheim. Obwohl du dich eigentlich gut gefühlt hast.
Deutschlands Sportwissenschaft hält die meisten Werte für nutzlos
Das Institut für Angewandte Trainingswissenschaft in Leipzig betreut den deutschen Spitzensport. Niemand dort ist technikfeindlich. Und trotzdem steht in der eigenen FAQ ein Satz, der einen kurz innehalten lässt. Die Werte, die Smartwatches ausgeben, hätten aus wissenschaftlicher Sicht meist überhaupt keinen Nutzen.
Nicht wenig Nutzen. Keinen.
Der Grund ist kein Herstellerversagen, sondern Physik. Diese Geräte werden für einen Markt gebaut, in dem der Leistungssport eine winzige Nische ist. Sie müssen der Frau, die abnehmen will, und dem Mann, der eine Marathonbestzeit jagt, dieselbe Zahl anzeigen. Und sie sitzen an der ungünstigsten Stelle des Körpers, die man sich für eine Messung aussuchen könnte.
Deine Uhr misst nicht dein Herz, sondern eine Pulswelle
Billy Sperlich ist Professor für Sportwissenschaft in Würzburg und hat das in der NZZ ziemlich trocken erklärt. Eine gewöhnliche Uhr misst gar keine Herzfrequenz. Sie misst eine Pulsrate, indem ein Sensor durch deine Haut hindurch eine Druckwelle im Blut erkennt.
Damit hängt alles an einer einzigen Bedingung, nämlich am Kontakt. Sitzt der Sensor nicht satt auf der Haut, sieht er weniger. Rutscht das Gehäuse beim Laufen hin und her, wackelt die Kurve. Sperlich weist außerdem darauf hin, dass beim festen Zugreifen oder bei Bewegungen über dem Kopf der Blutfluss am Handgelenk kurzzeitig eingeschränkt wird, weshalb ausgerechnet Radfahren und Krafttraining zu den Problemfällen zählen.
Über deine Datenqualität entscheidet damit weniger der Chip als das Stück Material, das die Uhr an deinen Arm drückt. Wer sich ein neues Armband für die Apple Watch sucht, trifft damit eine Messentscheidung und keine Geschmacksfrage. Ein Gliederband, das beim Sprint mitschaukelt, liefert schlechtere Werte als ein simples Loch-Band, das satt anliegt. Deshalb gibt es fürs Training überhaupt andere Bänder als fürs Büro.
Der Schrittzähler zählt deinen Arm, nicht deine Füße
Noch schöner wird es beim Wert, den fast alle für unbestechlich halten. Deine Uhr zählt nämlich keine Schritte. Sie zählt Armbewegungen und rechnet daraus zurück.
Steckst du die Hände in die Jackentaschen, registriert sie keinen einzigen Tritt, obwohl du gehst. Schwingst du im Stehen den Arm vor und zurück, bucht sie Schritte, die nie stattgefunden haben. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2024 fand entsprechend Abweichungen von rund zehn Prozent, je nach Gerät nach oben oder nach unten.
Sperlich selbst benutzt seine Uhr übrigens weiter und peilt 12.000 Schritte am Tag an. Er weiß nur genau, was er da vor sich hat, nämlich eine grobe Orientierung. Das ist der ganze Unterschied. Nicht wegwerfen. Richtig einordnen.
Wie du dein Telefon trägst, verändert deine Zahlen
Und jetzt wird es fast komisch. Wenn die Uhr deinen Arm misst, dann verändert alles, was diesen Arm beschäftigt, dein Ergebnis.
Läufst du mit dem Telefon in der Hand, schwingt dieser Arm anders. Steckst du es in die Bauchtasche, schwingt er frei. Dieselbe Runde, dieselben Beine, zwei verschiedene Zahlen am Abend. Bei Handyhüllen.de findest du Hüllen und Smartwatch Armbänder nebeneinander, und das passt insofern, als beide Dinge beim Laufen dasselbe Problem lösen. Sie sollen dafür sorgen, dass du an sie nicht denken musst.
Bleib also am Dienstagabend nicht daheim, weil eine Zahl es dir sagt. Frag lieber deine Beine. Die messen seit vierzig Jahren ohne Sensor und liegen selten daneben.
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